Lippenpressen - Was steckt dahinter und wann sollte man handeln?
24. August 2026Lippenpressen ist eine Gewohnheit, die viele Menschen kaum bewusst wahrnehmen, weder bei sich selbst noch bei ihren Kindern. Dabei kann genau dieses scheinbar harmlose Verhalten, also das anhaltende Pressen der Unterlippe gegen die oberen Schneidezähne oder das dauerhafte Anspannen der Lippen, auf Dauer spürbare Auswirkungen auf die Zahnstellung und die Kieferentwicklung haben. Wir sehen dieses Muster in unserer Praxis regelmäßig und wissen, wie wichtig es ist, es frühzeitig zu erkennen.
Woran erkennt man Lippenpressen überhaupt?
Das Besondere am Lippenpressen ist, dass es oft unbewusst passiert: beim Konzentrieren, beim Lesen, beim Schlafen oder einfach so. Typische Zeichen sind eine angespannte, nach innen gezogene Unterlippe, eine überaktive Kinnmuskulatur, die sich als kleines „Grübchenfeld" am Kinn zeigt, oder obere Frontzähne, die zunehmend nach vorne kippen.
Wie unterscheidet sich Lippenpressen von normalem Mundmuster?
Ein entspannter Mund ist geschlossen, aber die Lippen berühren sich locker, ohne Anspannung. Beim Lippenpressen hingegen zieht die Unterlippe aktiv gegen die oberen Zähne oder wird unter sie geschoben. Dieser Druck, auch wenn er gering erscheint, wirkt dauerhaft und kann die Zahnstellung über Monate und Jahre verändern. Kinder, die regelmäßig so sitzen oder schlafen, zeigen häufiger eine sogenannte Protrusion der Oberkieferfrontzähne, also nach vorne geneigte Schneidezähne.
Welche Auswirkungen kann Lippenpressen auf Zähne und Kiefer haben?
Kieferorthopädisch betrachtet wirkt der Lippendruck wie eine anhaltende Kraft von außen auf die Frontzähne. Das klingt abstrakt, ist aber im Ergebnis sehr konkret: Die oberen Schneidezähne werden nach vorne gedrückt, während die Unterlippe gleichzeitig die unteren Frontzähne nach innen kippt. Das Ergebnis ist oft eine vergrößerte Frontzahnstufe, also ein deutlich sichtbarer Überstand der oberen Zähne über die unteren.
Hinzu kommt, dass ein verändertes Lippenmuster häufig mit anderen orofazialen Dysfunktionen zusammenhängt, zum Beispiel mit einem falschen Schluckmuster oder einer niedrigen Zungenruhelage. Diese Faktoren wirken zusammen und können die Kieferentwicklung bei Kindern und Jugendlichen beeinflussen. Je früher man hinschaut, desto mehr Spielraum bleibt für eine gezielte Behandlung.
Wann ist eine kieferorthopädische Abklärung sinnvoll?
Wenn ihr bei eurem Kind bemerkt, dass es die Lippe regelmäßig presst oder einzieht, lohnt sich eine kieferorthopädische Untersuchung, auch wenn die Zähne noch nicht auffällig verschoben wirken. Gerade im Wachstum lässt sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln, zum Beispiel durch herausnehmbare Zahnspangen oder funktionskieferorthopädische Geräte, gezielt gegensteuern. Bei Erwachsenen kann Lippenpressen ebenfalls eine Rolle spielen, etwa wenn eine bestehende Zahnfehlstellung nach der Behandlung immer wieder zurückkommt.
Was wir in unserer Praxis tun, wenn Lippenpressen festgestellt wird
Wir schauen uns bei jeder Untersuchung nicht nur die Zähne an, sondern auch die Funktion: Wie atmet die Person? Wie liegt die Zunge in Ruhe? Wie ist das Schluckmuster? Lippenpressen ist selten ein isoliertes Problem, sondern meist Teil eines größeren funktionellen Bildes. Deshalb besprechen wir gemeinsam mit Patienten und Eltern, was dahintersteckt und welche Schritte sinnvoll sind.
In manchen Fällen empfehlen wir eine ergänzende Logopädie, um das Lippenmuster aktiv umzuschulen. In anderen Fällen reicht zunächst ein bewusstes Wahrnehmen der Gewohnheit, kombiniert mit einer kieferorthopädischen Begleitung.
Wenn ihr Fragen habt oder unsicher seid, ob bei eurem Kind oder bei euch selbst Lippenpressen vorliegt, sind wir für euch da. Ihr erreicht uns in Schloß Holte-Stukenbrock (Holter Str. 63, 33758 Schloß Holte-Stukenbrock, Tel. 05207 9577990) und in Herford (Kurfürstenstraße 16, 32052 Herford, Tel. 05221 3422280). Termine könnt ihr auch bequem über unsere Online-Terminbuchung vereinbaren.
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