
Wie früh sollten Zahnfehlstellungen behandelt werden?
13. Februar 2025
Die Zahnstellung spielt eine entscheidende Rolle für die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden. Bereits im Kindesalter können sich Zahnfehlstellungen entwickeln, die nicht nur das ästhetische Erscheinungsbild beeinflussen, sondern auch funktionale Probleme mit sich bringen. Schwierigkeiten beim Kauen, Sprechen oder sogar Atembeschwerden können durch eine fehlerhafte Zahnstellung entstehen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit einer kieferorthopädischen Behandlung zu beginnen? Sollte man schon im Kindesalter eingreifen, oder ist es besser zu warten, bis alle bleibenden Zähne durchgebrochen sind?
Warum entstehen Zahnfehlstellungen?
Zahnfehlstellungen können genetisch bedingt sein oder durch äußere Einflüsse entstehen. Die Vererbung spielt eine große Rolle – wenn Eltern oder Großeltern unter einer Fehlstellung der Zähne litten, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind eine ähnliche Entwicklung zeigt. Doch auch schlechte Angewohnheiten können die Zahnstellung negativ beeinflussen. Besonders Daumenlutschen, zu langes Nuckeln an der Flasche oder ein dauerhaft falscher Zungenstoß gegen die Zähne können dazu führen, dass sich die Zähne verschieben oder eine Fehlstellung des Kiefers entsteht.
Ein weiteres Problem ist der vorzeitige Verlust von Milchzähnen durch Karies oder Unfälle. Fehlen die Milchzähne zu früh, können sich die umliegenden Zähne in die Lücke schieben und so später zu einem Platzmangel für die bleibenden Zähne führen. Ebenso kann ein ungünstiges Wachstum des Kiefers dazu beitragen, dass Zähne nicht richtig durchbrechen und Fehlstellungen entstehen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine kieferorthopädische Behandlung?
Die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie empfiehlt, dass Kinder bereits im Alter von sechs bis sieben Jahren erstmals von einem Kieferorthopäden untersucht werden sollten. In diesem Alter beginnt der Zahnwechsel, und mögliche Fehlentwicklungen lassen sich frühzeitig erkennen. Eine frühe Behandlung kann spätere aufwendige Korrekturen vermeiden und das natürliche Wachstum des Kiefers positiv beeinflussen.
Allerdings muss nicht jede Fehlstellung sofort behandelt werden. In manchen Fällen ist es ausreichend, die Entwicklung regelmäßig zu kontrollieren. Doch bestimmte Fehlstellungen sollten frühzeitig korrigiert werden, da sie sonst schwerwiegende Folgen haben können.
Welche Fehlstellungen sollten früh behandelt werden?
Nicht jede Zahnfehlstellung muss sofort korrigiert werden. Doch einige Probleme können bei ausbleibender Behandlung gravierende Folgen haben. Dazu gehören:
Kreuzbiss: Wenn die oberen Zähne hinter den unteren Zähnen stehen. Dies kann zu asymmetrischem Kieferwachstum führen und sollte frühzeitig korrigiert werden.
Überbiss: Wenn die oberen Schneidezähne zu weit über die unteren ragen. Ein ausgeprägter Überbiss kann zu Problemen beim Abbeißen führen und das Risiko für Verletzungen der Frontzähne erhöhen.
Platzmangel: Wenn nicht genügend Raum für die bleibenden Zähne vorhanden ist. Durch eine frühzeitige Behandlung kann Platz geschaffen werden, um spätere aufwendige Zahnkorrekturen zu vermeiden.
Offener Biss: Wenn die Frontzähne beim Zusammenbeißen keinen Kontakt haben. Oft wird dieser durch Daumenlutschen oder eine falsche Zungenlage verursacht.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es in jungen Jahren?
Für Kinder im Milchzahn- oder frühen Wechselgebissalter gibt es spezielle kieferorthopädische Maßnahmen, die das Wachstum sanft steuern und eine spätere, umfangreichere Behandlung verhindern können.
Herausnehmbare Zahnspangen: Diese sanften Geräte helfen, das Wachstum des Kiefers positiv zu beeinflussen und Platz für die bleibenden Zähne zu schaffen.
Funktionskieferorthopädische Geräte: Diese Apparaturen unterstützen die natürliche Entwicklung des Kiefers und können Fehlstellungen vorbeugen.
Platzhalter: Falls ein Milchzahn zu früh verloren gegangen ist, sorgt ein Platzhalter dafür, dass sich die umliegenden Zähne nicht in die Lücke schieben.
Späte Behandlung: Wann ist sie notwendig?
Nicht jede Zahnfehlstellung muss früh korrigiert werden. Manche Korrekturen sind effektiver, wenn sie erst im bleibenden Gebiss vorgenommen werden. Dazu gehören:
Komplexe Zahnbewegungen: Manche Fehlstellungen lassen sich erst mit einer festen Zahnspange oder Alignern korrigieren.
Extreme Kieferfehlstellungen: In manchen Fällen ist es notwendig, das Wachstum des Kiefers abzuwarten, um eine kieferorthopädische Operation oder eine spätere Behandlung mit Brackets effektiver durchführen zu können.
Feinjustierung im Erwachsenenalter: Auch im Erwachsenenalter ist eine Zahnkorrektur möglich, entweder mit festen Zahnspangen oder mit Alignern.
Was passiert, wenn Zahnfehlstellungen nicht behandelt werden?
Unbehandelte Zahnfehlstellungen können langfristig erhebliche Probleme verursachen. Neben ästhetischen Beeinträchtigungen kann es zu funktionalen Problemen kommen. Beispielsweise kann ein Kreuzbiss zu asymmetrischen Kieferbewegungen führen, was langfristig Kiefergelenksbeschwerden verursacht. Ein Überbiss kann dazu führen, dass die Schneidezähne stärker abgenutzt werden oder sogar abbrechen. Schiefe Zähne sind oft schwerer zu reinigen, wodurch das Risiko für Zahnfleischentzündungen, Karies und Parodontitis steigt.
Auch die Sprache kann durch eine falsche Zahnstellung beeinträchtigt werden. Einige Kinder haben durch eine falsche Zungenlage Schwierigkeiten bei der Aussprache bestimmter Laute. Diese Probleme lassen sich oft durch eine Kombination aus kieferorthopädischer und logopädischer Behandlung lösen.
Fazit: Frühe Behandlung kann langfristige Vorteile bringen
Die Behandlung von Zahnfehlstellungen sollte idealerweise so früh wie möglich erfolgen, um das natürliche Wachstum des Kiefers optimal zu nutzen. Während einige Probleme bereits im Kindesalter mit herausnehmbaren Apparaturen korrigiert werden können, erfordern andere eine spätere Behandlung mit festen Zahnspangen oder Alignern. Eine frühzeitige Untersuchung beim Kieferorthopäden kann helfen, den besten Zeitpunkt für eine Behandlung zu bestimmen und spätere Komplikationen zu vermeiden. Durch rechtzeitige Maßnahmen lassen sich spätere Eingriffe oft vermeiden oder deutlich verkürzen, sodass Kinder und Jugendliche von einer optimalen Zahnstellung profitieren können.